Das geheime Grab in den Westbergen

Auf der Suche nach den Minggräbern besuchten wir oft das Tal der dreizehn Gräber im Norden von Beijing. Dort hatte uns eine Bäuerin erzählt, dass es noch ein weiteres Grab in den Bergen geben sollte. Dieses Kaisergrab sollte westlich von Beijing liegen, in der Nähe des Sommerpalastes zwischen dem Goldberg und dem Jadequellenberg.

Zwei Berge und ein Orakelbrunnen

Einige Male fuhren wir vergebens in den Westen Beijings. Wir befragten die Bewohner im Dorf 娘娘府 Niang niang fu und alle waren sehr bemüht, uns zu helfen. In den Jahren zuvor wurden viele neue Straßen in Beijing gebaut. Es schien mir, als hätten die Bewohner dieser Gegend das Grab von Kaiser Jingtai vergessen, denn vom Kaiser Jingtai hatten sie noch nichts gehört und sie waren sicher, dass es kein Kaisergrab in der Nähe gäbe.

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Das Zentrum der Welt

Ein Mann reitet der untergehenden Sonne entgegen. Es ist der achte Monat im Jahr 1260 und die spätnachmittägliche Sonne brennt immer noch auf der Haut. Der Reiter ist müde, er ist seit mehreren Wochen unterwegs, seine Heimatstadt Xingtai liegt tausende von Meilen entfernt. Seine letzte Herberge war unbequem, und so ist er schon in aller Frühe aufgebrochen, um endlich die alte Hauptstadt Yanjing in Chinas Norden zu erreichen. Dort hat er eine Verabredung.

Beijing – Pagode aus der Yuan-Dynastie

Nichts erinnert hier mehr an eine Metropole, denn diese Stadt war immer Angriffspunkt der Mongolen gewesen. Allein der Mongole Dschingis Khan hatte die ehemalige Kaiserstadt Zhongdu fünf mal angegriffen, im Jahr 1215 hatte er alle Gebäude niederbrennen lassen und die dort lebenden Dschurdschen in die Steppe des Nordostens zurückgetrieben. Auch den Namen der Stadt hatte der Khan damals ausgelöscht, er gab ihr den alten Namen Yanjing wieder, denn gar nichts sollte an den Regierungssitz der alten Dynastie erinnern.

Das Laub der Pappeln ist längst verdorrt. Rauchiger Nebel erhebt sich in den tief liegenden Sonnenstrahlen. Die Grundstücke sind mit vielen Sträuchern bewachsen. Vergilbtes Gras überwuchert die Fundamente ehemaliger Prachtbauten. Vom alten Kaiserpalast existieren nur noch die Fundamente aus Marmor. Geschwärzte Steine schimmern hier und da durch die stetig wachsende Vegetation. Scharenweise laufen Ratten und Mäuse über die trostlosen Felder und suchen nach Nahrung. Eine Ratte läuft geradewegs vor die Hufe des Pferdes, das scheut und davon jagt. Der Reiter rutscht zur Seite und kann sich nur noch mit Mühe im Sattel halten. Er beruhigt sein Pferd, steigt ab und geht langsam weiter.

Quelle: Museum Guo Shoujing, Beijing

Der Hof und alle Beamten sind geflohen, jetzt leben hier nur noch Bauern und wenige Handwerker. Es ist eine Stadt ohne Gesicht. Die Straßenzüge sind noch deutlich zu erkennen, doch an vielen Stellen fehlen die Pflastersteine. Die Stadtbewohner haben sie in ihren kleinen Hütten verbaut, einige Häuser haben sogar ein Dach aus Lehmziegeln. Andere Buden sind notdürftig aus Brettern zusammen genagelt worden. Die Menschen, die vor ihren Behausungen sitzen, begrüßen den Fremden freundlich. Trotz der Zerstörung liegt eine Zufriedenheit in den Gesichtern der Menschen.

Stadtplan von Dadu

„Hei, hei, hei!“ Im schnellen Galopp kommt ein Reiter von Norden. Er ist vornehm gekleidet, sein grauer Wollmantel fliegt über das Hinterteil des Pferdes. Der Körper des Mannes ist nach vorn gebeugt, und seine Hand wirbelt mit der Peitsche durch die Luft. Als er die Ruinenstadt erreicht, wird er langsamer, das Pferd mit den kurzen Beinen macht nur noch Trippelschritte. Die Chinesen flüchten ins Innere ihrer Häuser, als sie diesen Reiter sehen. Es ist der Mongole Kublai, der Enkel des großen Dschingis Khan.

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Oldenburger Spuren in Shanghai

In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm das Großherzogtum Oldenburg neben den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck einen wichtigen Platz in der Seefahrt im ostasiatischen Binnenhandel ein. Nach der Öffnung Chinas nach dem sogenannten Opiumkrieg zwischen Großbritannien und China (1839-1842) beteiligten sich auch Oldenburger Schiffe am Handel und der Gedanke an ein Oldenburger Konsulat wurde verfolgt.

Anleger am Bund

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Das Erbe der Ming

In der Zeit von 1994 bis 1998 habe ich in Xisanqi, einem nördlichen Stadtteil von Beijing, gewohnt. Bereits an den ersten Wochenenden luden uns chinesische Freunde ein, berühmte Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Wir fuhren nach Badaling, dort wo sich die Große Mauer über Bergkämme schlängelt, besuchten nebenbei den Heiligen Weg und das Changling. Wir hatten an einem Nachmittag so ein großes Programm, dass wir eigentlich gar nicht wussten, was wir da anschauten. In wenigen Sätzen erklärte Herr Li mir die Geschichte der feudalen Ming-Kaiser.

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Memories of the Ming

I lived in Xisanqi, a district in the north of Beijing, between 1994 and 1998. Early on Chinese friends invited us to visit famous sight-seeing spots with us. We went to Badaling to see the Great Wall riding on top the mountain ridges, and in passing we also visited the Sacred Road and the Changling tomb. After seeing so many wonders in one day we hardly realized what we were looking at. One of our friends, Mr. Li, told me the history of the Ming emperors in a few sentences. In Spring 1995 my husband’s company gave us a car, and at the same time both of us received Chinese driving licenses. Having relied on bus and taxi until then, we now looked forward to excursions by car. On a weekend in May 1995 our American friends invited us to a picnic. Driving in a northern direction, the foreign community met in a walled garde; the Germans brought potato salad, the Italians pasta, the French contributed baguettes, the English roast-beef and the Americans burgers. After a pleasant meal I asked for the name of this place. Shisanling, I was told.

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Tianningsi – ein Kleinod in Beijing

Der Tempel des Himmlischen Friedens in Beijing 天宁寺

 

Der Tianningsi im Westbezirk von Beijing wurde schon vor langer Zeit geplant. Schon in den Jahren 471 bis 476, während der Nördlichen Wei-Dynastie 魏朝, wurde an dieser Stelle ein Tempel gebaut: der Guanglin Tempel 光林寺. Mehrere Male wurde dieser Tempel zerstört und immer wieder aufgebaut. In der Liao-Dynastie 辽朝 im 12. Jahrhundert wurde die sechseckige Pagode gebaut, die noch immer auf dem ursprünglichen Gelände steht.

Zu jener Zeit war sie mit 57,80 Metern wahrscheinlich das höchste Gebäude der Stadt. Wie viele andere Pagoden hatte auch diese 13 Stufen. Unter dem ersten Dach gibt es reiche Verzierungen mit Buddhastatuen, steinernen Fenstergittern und Säulen. Unter jedem Dachvorsprung schmücken Ochsenkopfkapitelle die Gesimswerke.

 

An allen sechs Walmenden sitzen Fabeltiere, um das Gebäude zu schützen.

Heute ist die Tempelanlage in einem sehr guten Zustand. Die Nebengebäude sind wieder aufgebaut und werden von den Buddhisten genutzt. Die Anlage liegt am westlichen zweiten Ring in der Nähe des daoisten Klosters der weißen Wolke.

Strassenschild

Der Eingang erfolgt von Süden her über die vordere Tingningstraße. Der Eintritt ist frei.

 

Dachgeister

Im alten China wurde großen Wert auf die Konstruktion des Daches gelegt. Die beiden Firstenden werden von einem Chiwen gehalten. Dieses Fabeltier soll ein Nachkomme des Drachen sein. Der Kopf sieht dem Drachen ähnlich, hat Hörner und hervorstehende Augen, der Schwanz gleicht dem eines Fisches. Es ist mit einem Schwert befestigt, damit es nicht wegfliegen kann. Die Legende sagt, dass es einen Brand bekämpfen kann, weil er große Wellen verursachen und Regengüsse entstehen lassen kann. Die Tonfigur ist aus einem Stück gearbeitet und gebrannt.

Dachreiter
Quelle: 老裴

Auf allen vier Walmenden des Daches sind weitere Fabeltiere angebracht. Es gab eine Vorschrift über die Anzahl der Tiere. Ein Bürgerhaus durfte bis zu fünf Tiere besitzen, das Haus eines Mandarins sieben, das Haus eines Prinzen neun. Die höchste Zahl war elf, so viele Tiere durfte nur der Kaiserpalast haben. Doch selbst innerhalb des Palastes ist die Zahl der Fabeltiere unterschiedlich. Auch die Reihenfolge der Tiere spielt eine bestimmte Rolle und jedes dieser Tiere sollte einen Zweck erfüllen. Dachgeister weiterlesen

Der Kaiserkanal

京杭大运河

Den Begriff Kaiserkanal kennen die Chinesen nicht. Auf chinesisch heißt der Kanal Jing Hang da yun he. Die ersten beiden Silben jing und hang sind die Kurzformen der Städte Beijing und Hangzhou, weil der Kanal die beiden Städte Beijing und Hangzhou verbindet. Im Englischen und im Französischen heißt der Wasserzug Grand Canal.

Gedenksäule
Gedenksäule

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Das Frühlingsfest

春节

In China gilt offiziell der Gregorianische Kalender, jedoch leben die meisten Chinesen nach dem traditionellen chinesischen Bauernkalender. Das chinesische Neujahr fällt auf unterschiedliche Tage im Januar oder Februar, weil es immer am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende gefeiert wird.

 

Der chinesische Mondkalender ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Landwirtschaft. So hat der Kalender auch diverse Namen, neben Mond- und Bauernkalender wird er auch Xia-Kalender, Tausendjähriger oder antiker Kalender genannt. Nach Überlieferungen soll er in der Xia-Dynastie 夏朝 (21. bis 16. Jahrhundert vor Chr.) entstanden sein. Das Frühlingsfest weiterlesen

Die Welt der Zeichen

Steinabreibungen

Steinabreibungen wurden bereits in der Han-Dynastie erfunden. Zum Verkauf an Pilger wurden in den buddhistischen Klöstern noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Abreibungen von in Stein gehauenen Reliefs der Heiligen und der beliebtesten Sutras angefertigt.

Hergestellt wurden Steinabreibungen im Positiv- wie auch im Negativdruck. Für die Herstellung des Negativdrucks wurde auf die hochstehenden Teile des Reliefs Farbe aufgetragen, angefeuchtetes Papier über die eingefärbte Stelle gelegt und das Papier von hinten mit einem Ballen abgerieben. Der somit entstandene Druck zeigt das zu druckende Motiv in dunklen Linien auf dem hellen Hintergrund des Papiers.

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