Oldenburger Spuren in Shanghai

In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm das Großherzogtum Oldenburg neben den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck einen wichtigen Platz in der Seefahrt im ostasiatischen Binnenhandel ein. Nach der Öffnung Chinas nach dem sogenannten Opiumkrieg zwischen Großbritannien und China (1839-1842) beteiligten sich auch Oldenburger Schiffe am Handel und der Gedanke an ein Oldenburger Konsulat wurde verfolgt.

Anleger am Bund

Am 10. April 1852 schickte die Großherzogliche Oldenburgische Regierung ein Schreiben an den Generalkonsul James Colquhoun (1780-1855) in London, der die drei Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck vertrat, in dem die Oldenburger um Mithilfe für die Errichtung eines Konsulats in Shanghai baten.

Der Bund um 1910

Vor allem die Schifffahrtskommission zu Brake begrüßte diesen Schritt in einem Schreiben vom 12. März 1852 an die Großherzogliche Regierung. Wahrscheinlich fruchtete aber diese Bitte nicht, denn vier Jahre später, im Oktober 1856, bat die Großherzogliche Regierung den Konsul O. Thyen in Bremen, sich über eine Errichtung eines Konsulats zu Shanghai zu äußern. Thyen antwortete prompt und schlug den Kaufmann C. Brodersen von der Firma W. Pustau als Konsul vor, denn der hatte einige Monate zuvor schon Thyen darauf aufmerksam gemacht, …. daß der Verkehr Oldenburgischer Schiffe in den hiesigen Gewässern immer lebhafter wird… und bat Konsul Thyen, ihn als Konsul bei den Oldenburgern zu empfehlen. Brodersen, der schon das Königreich Hannover als Konsul vertrat,  würde sich geschmeichelt fühlen, auch das Großherzogtum Oldenburg zu vertreten.

                                                           Das Deutsche Eck

Am 28. August 1857 wurde C. Brodersen zum Konsul von Shanghai und somit zum ersten Oldenburgischen Konsul in China ernannt. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er allerdings schon in Hongkong. Er schlug daraufhin seinen Associé Wilhem Probst als Konsul vor und er würde gerne das „verwaiste“ Konsulat in Hongkong übernehmen.

Erst 1859 wurde in Canton (Guangzhou) Richard von Carlowitz (1817-1886) zum Oldenburgischen Konsul bestellt. Carlowitz war schon im September 1844 nach China gekommen und hatte1846 das Handelshaus Carlowitz, Harkort & Co. in Canton mitgegründet. Ab 1847 agierte er schon als Konsul für Preußen und Sachsen in Canton, dann ab 1859 auch für Oldenburg. Konsul Probst legte Verzeichnisse der den Hafen von Shanghai benutzt habenden Großherzoglichen Oldenburger Schiffe an.

Küstenverkehr

Die meisten Schiffe fuhren die Küste entlang, so kamen sie von Hongkong und fuhren weiter nach Ningbo, aber einige fuhren auch bis Singapur. Probst führte genau Buch über Art und Wert der Ladung und über die erhobenen Zölle. Oft wurde Tee verladen, aber auch Bohnenkuchen und Austernschalen. Gewichtseinheiten waren neben Tonnen auch das chinesische Pikul, das mit 133 ⅓  englisches Pfund umgerechnet wurde. Oftmals wurden in den Listen einfach Kaufmannswaren aufgeführt.

Chinesischer Seezoll am Bund

Ab 1862 wurden Verhandlungen wegen der Entlassung von Konsul Probst und der Übergang der diesseitigen Consulatsgeschäfte auf den Königlichen Preußischen Generalkonsul zu Shanghai geführt. Zur Zeit der Gründung des Norddeutschen Bundes im Jahr 1866 unterhielt das Großherzogtum Oldenburg 156 Konsulate weltweit.

Quellen:

Eberspächer, Cord: Der „Texas-Fall“ und die oldenburgische Außenpolitik in Oldenburger Jahrbuch 101, Isensee Verlag 2001

Materialien des Niedersächsischen Landesarchiv in Oldenburg

Signaturen: NLA OL Best.31-15 Nr. 44-116, NLA OL Best.31-15 Nr. 11-190 B, NLA OL Best. 31-13 Nr.16-15 J