Das Geldwesen im alten China

Am Anfang war der Tausch

Mit Beginn der Weiterentwicklung des Urmenschen  begann auch ein gewisser Warenverkehr. Wurde in der Vergangenheit nur für sich und die eigene Familie gesorgt, durch Jagd und Sammeln von Beeren, Obst und Getreide ergab es sich, daß durch das sesshaft werden und gezieltem Anbau mehr Ertrag geerntet werden konnte, als für die Familie gebraucht wurde. Man wurde in die Lage versetzt, den Überschuss abzugeben und dafür andere Waren zu bekommen, die nicht von der Familie hergestellt werden konnten. So begann der Tauschhandel. Mit den Jahrzehnten vergrößerte sich der Bewegungsraum und die Warenmenge wurde immer vielfältiger. Gleichzeitig wurde auch der Wert der Waren und eine bessere Version des Tauschhandels gesucht und auch gefunden. 

Am Beispiel von China ist es ziemlich eindeutig zu verfolgen, da dort die Veränderung sehr gut dokumentiert ist und Funde aus der Vergangenheit dies auch beweisen.

Als Naturalgeld kam die Kaurimuschel in Gebrauch.  Ihre Zeit befand sich ab dem 6. Jahrtausend vor unser Zeitrechnung.

 Ab der Shang-Dynastie (18.-11. Jahrhundert v.C.) kamen die Bronzemünzen auf. Es gab sie in Form von Messern, Spaten, Spießen oder Entenschnäbeln. Die Kaurimuscheln als Tauschmittel gingen immer mehr zurück.

Mit der Regierungszeit von Kaiser Qin Shi Huang (221-206 v.C.) wurden einheitliche Maße und Gewichte eingeführt sowie eine gemeinsame Kupferwährung. Die Münzen waren rund mit einem quadratischen Loch in der Mitte. Doch mit der Zeit wurden sie kleiner und dünner und repräsentierten nicht mehr den ursprünglichen Materialwert. Die Einzelmünzen waren für eine größere Summe auf Schnüren aufgezogen. Der erste Versuch Papiergeld zu benutzen hatte noch keinen großen Erfolg.

Ab der Han-Dynastie (206 .C.-9 n.C.) wurde nicht mehr das Edelmetallgewicht angegeben sondern ein Nennwert, sowie die Epoche und der Name des jeweiligen Kaisers. Für große Summen wurden bereits Silberbarren verwendet.

Mit der Song-Dynastie (960-1279) wurde die Vereinheitlichung weiter geführt. Wobei im Norden weiterhin Kupfer gebräuchlich war, jedoch im Süden Eisen und Blei. Mit der wirtschaftlichen Steigerung wuchs auch das Münzumlaufvolumen. In der nördlichen Song-Dynastie wurden 200 Milliarden Kupfermünzen geprägt, allein 6 Milliarden im Jahr 1073. Chinesische Zahlungsmittel fanden ihren Weg ins Ausland, speziell Südostasien. Jetzt erlebte das Papiergeld eine Neugeburt.

Von 1279-1368 regierten die Mongolen in China. Sie behielten das Papiergeld bei und verboten den Besitz von Edelmetallen. Gold und Silber musste an die Regierung übergeben werden. Der übermäßige Druck von Papiergeld führte zu einer Inflation, die nur durch eine Währungsreform überstanden wurde.

Mit der Qing-Dynastie (1368-1644) kam die traditionelle Kupferwährung und Silber wieder zurück. 1792 wurde die erste Silbermünze gegossen. Erst 1884 kam die Prägetechnik nach China.

Ab 1898 gab die Chinesische Handelsbank wieder Banknoten heraus. Es liefen Banknoten von 100 Käsch bis 50 Tael um, die den aufwendigen Transport größerer Käschmengen minimieren sollten.

 

Währung im Schutzgebiet Kiautschou

Nachdem das Kaiserreich Deutschland das Gebiet um Tsingtau in der Provinz Shandong im Kaiserreich China annektiert hatte und 1898 nach zähen Verhandlungen ein Nutzungsvertrag über 99 Jahre abgeschlossen war, wurde mit der Errichtung einer deutschen Stadt begonnen. Tsingtau sollte ein Paradebeispiel deutscher Baukultur im asiatischen Raum werden und der Hauptzugang zum großen chinesischen Markt , wie auch Ausgangspunkt für inländische Waren als Exportgut werden.

Warenverkehr bedeutete aber auch ein zuverlässiges Zahlungsmittel, das staatlich kontrolliert werden konnte und stabilen Wert verkörperte. Das war im damaligen China nicht unbedingt gegeben. Die Grundlage des chinesischen Geldwesens war das Silber und nicht wie in fast allen westlichen Staaten das Gold. Offiziell wurde in Tael und Käsch gerechnet. Ein Tael war unterteilt in zehn Mace  und hundert Candareen . Die Käschmünzen wurden aber meist aus Messing, Bronze, Kupfer oder sogar aus Eisen gegossen. Sie besaßen in der Mitte meist ein viereckiges Loch, wodurch ein Strohband gezogen wurde,  Es bestand ein Dezimalsystem, dessen kleinster Wert von den Europäern »Käsch« (chinesisch Li) und der größte Wert »Tael« (Liang) genannt wurde. Zehn Käsch (Li) waren ein Candareen (Fen), zehn Candareen eine Mace (Chien) und zehn Mace ein Tael (Liang). Die einzige chinesische Münze blieb bis 1889 der gegossene Bronzekäsch, für dessen Legierung strenge, aber selten eingehaltene Vorschriften bestanden. Die Käschmünzen wurden zu 100, 500 oder 1000 auf Schnüre gezogen. Schnüre von 1000 Käsch nannte man »Tiao«. Der Tael repräsentierte eine Normsilbermenge, die jedoch regional stark schwankte. Für größere Zahlungen bedienten sich die Chinesen schuhförmiger gegossener Silberbarren im Gewicht von 1/2 bis 50 Tael, sogenannter Sycee (si soi), deren Feinheit der Gießer mit seinem Stempel garantierte.   Deshalb führte jeder Kaufmann auf seinen Reisen eine Silberwaage mit sich, um die entsprechende Menge Silber zu wiegen. Auch wurden die aufkommenden Silbermünzen so überprüft um Fälschungen, die gerne in den Geldmarkt eingebracht wurden, zu entdecken.

Diese Silbermünzen, die durch die immer stärker werdende Präsenz ausländischer Händler, stärker in Gebrauch kamen, wurden sehr oft durch ausländische Münzen ersetzt. Bei denen konnte man sicher sein, das der Silbergehalt eingehalten wurde. Natürlich waren diese Münzen auch vor den  Geldfälschern nicht sicher.

Da jede Provinz ihre eigene Münzpräge aufbaute, entstand eine weitere Verwirrung durch die unterschiedlichen Gewichte,

Normal waren 37,78 g 980/1000 feines Silber ein Tael. Der Shanghai-Tael wog 34,246 g Silber,im Außenhandel wurden 33,387 g berechnet.

Offiziell galt der Haikuan-Tael (Seezoll-Tael), auch Regierungstael genannt, mit 38,246 g.

Die Gewichtsangabe war insofern wichtig, als die Fälschungen meist durch niedrigere Silberlegierungen zustande kommen oder durch Beimischungen von Zinn und anderen Metallen das Originalgewicht nicht mehr halten konnte.

Bei den bevorzugten ausländischen Münzen waren der österreichische Maria-Theresien-Taler, der amerikanische Liberty-Dollar, der spanische Karolus-Dollar und der mexikanische Peso. Der letztere hatte ein Gewicht von 27,073 g Feinsilber, entsprechend 0,72 Haikuan-Tael. Die chinesischen Silbermünzen hatten dem entsprechend eine Inschrift 7 Mace 2 Candareen.

Immer wieder wurden die Silbermünzen im Handelsverkehr geprüft und von den chinesischen Händlern bzw. Banken mit Präge- oder Tuschestempeln, sogenannten Chopmarks, versehen, bis hin zur Unkenntlichkeit des Gepräges.

Zwischen Käsch, Tael und Dollar bestanden keine festen Wechselkurse. Von den täglichen Wertschwankungen profitierten zahlreiche chinesische Wechselbanken. Je nach Region galten Kurse von 1000 bis 2000 Käsch pro Tael und 850 bis 1500 Käsch pro Dollar.

Bis zum Jahre 1908 gab es in Tsingtau keine eigenen deutschen Münzen. In diesem Jahre wurden die Weichen für die Münzprägung gestellt. Zuerst sollten Kleinwerte geprägt werden. So prägte die staatliche Münze Berlin, als erstes 5-Cent und 10-Cent Münzen, deren erste Tranche im November 1909 in Tsingtau ankam.

Am 8. Juli 1906 erteilte der deutsche Reichskanzler Bismarck, eine auf 15 Jahre befristete Banknotenkonzession. Die vom 1. März 1907 datierten und in Leipzig gedruckten Banknoten wurden ab 17. Juni in der Stückelung von 1, 5, 10, 25 und 50 Dollar sowie 1, 5, 10 und 20 Tael ausgegeben. Von den fünf Ausgabestellen in China war Tsingtau die wichtigste. Hier kamen ausschließlich Dollar, überwiegend 1-Dollar-Scheine, in Umlauf. Im Juni 1914 liefen mehr als  2,3 Mill. Dollar in Banknoten der Tsingtau-Ausgabe um, das waren 67 Prozent aller von der Deutsch-Asiatischen Bank in China ausgegebenen Dollar.

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黄祸论

青岛(2):黄祸论

前面提到的德皇威廉二世对中国人并没有好感,他一直都是黄祸论的倡导者,主张对中国强硬,是我们所说的不折不扣、穷凶极恶的“帝国主义者”。

他手下出过两个惊动世界的大人物,一个是首相俾斯麦,另一个则是纳粹魔头希特勒。另外,威廉二世还是一战的策划者和闪电战计划的创始人,后来希特勒的闪电战只是抄袭而已。需要说明一下,威廉一世并不是威廉二世的父亲,而是他爷爷。1888年,威廉一世驾崩,随即传位于皇太子卡尔(腓特烈三世),但此时的卡尔身患喉癌,已到晚期,几个月后病死。于是皇位再传给当时29岁的威廉二世。威廉二世推行的军国主义扩张政策,符合当时德国统治阶层的需求。他积极开拓海外殖民地,借口在山东巨野的传教士被杀,武力强租了胶州湾。

Postkarte aus China

原本的德意志民族是一盘散沙,统一比较晚,到了俾斯麦后期国势崛起之时,地球上落后地区的殖民地早已被其他欧洲列强瓜分完毕,所以德国的扩张必然会与其他列强发生冲突。海外殖民需要强大的海军,他通过新的海军方案,实施提尔皮茨计划,以加快帝国海军扩张,赶超英国。他对英国的敌视态度与俾斯麦的亲英政策发生冲突,导致他最后炒了俾斯麦的鱿鱼。

Boxeraufstand Quelle: Wikipedia

义和团运动中,德国公使克林德在北京被清军射杀,威廉二世决心报复中国,派遣对华远征军2万多人,由瓦德西元帅指挥,后来瓦德西又成了整支侵华联军的总司令。不过瓦德西启程的步伐有些缓慢,这就苦了那些正在中国受难的洋人。被围困在北京英国领事馆里负隅顽抗的洋人们,每天都在盼星星盼月亮,等着瓦德西早日来解救他们。这支部队抵达中国时,战争已经结束了。

Krieg in China Quelle: Wikipedia

青岛,2019年九月 黄剑辉

Rote Dächer am Gelben Meer

Oldenburger in Tsingtau während der Kolonialzeit

Als das deutsche Reich 1898 das Schutzgebiet Kiautschou pachtete, wurde im Reichskriegshafen Wilhelmshaven nach Handwerkern gesucht, die Tsingtau und die umliegenden Dörfer mit aufbauen sollten. Die allgemeine Wirtschaftslage in Norddeutschland sah zu jener Zeit nicht vielversprechend aus. Da sahen junge Männer die Chance auf Arbeit in Übersee.

Mit Beginn der Landübernahme begann auch sofort eine rege Bautätigkeit. Oldenburger, wie zum Beispiel Heinrich Eilers oder Ernst Troschel, gingen schon früh nach Tsingtau und waren maßgeblich an dem Bau der Stadt und des Hafens beteiligt. Heinrich Eilers holte seine Familie später nach, doch Elise Troschel begleitete ihren Mann von Anfang an.

Besonders die Frauen hatten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Heimat wurden sie bewundert und beneidet, denn die Familien hatten in der Ferne ein doppeltes Einkommen und konnten sich alles leisten, sie brauchten selbst nicht im Haushalt zu arbeiten, dafür hatten sie Boy, Koch und Kuli.

Doch die Wirklichkeit sah meist anders aus. Wenn Frauen alleine über Land fuhren, hatten sie ständig Angst vor Überfällen. Der Boy oder der Koch gingen einkaufen und zahlten fast immer zu viel. Einige Bedienstete wirtschafteten dabei in die eigene Tasche. Ständig gab es gesundheitliche Probleme. Die europäischen Kinder waren den eisigen Sandsturm nicht gewohnt und hatten oft Probleme mit den Bronchien. Zudem grassierten ansteckende Krankheiten und Seuchen wie Cholera und Typhus.

Eine bewegende Lebensgeschichte hatte Minna Stielow. Sie lebte mehr als vierzig Jahre in China. Im Jahr 1906 folgte sie ihrem Verlobten, im Oktober heirateten sie in Tsingtau, dort bekamen sie zwei Kinder. Als Otto in Gefangenschaft geriet, zog sie ihre Kinder alleine auf. 1920 kam die vierköpfige Familie zurück nach Wilhelmshaven, doch schon zwei Jahre später ging sie zurück nach Tsingtau. Otto Stielow fand eine Arbeit bei einer Import-Exportfirma, im Jahr 1937 starb er in Tsingtau. Minna Stielow hatte wahrscheinlich nicht das Geld für eine Heimreise, sie nahm unterschiedliche Arbeiten an. Erst 1950 kam sie über Umwege nach Wilhelmshaven zurück.

Elise Troschel reiste mit vier Kindern im Alter von neun Monaten bis sechs Jahren gemeinsam mit Ehemann und Kindermädchen nach Tsingtau. Sie führte als Ärztin und Geburtshelferin eine Praxis im Hafenbauamt von Tsingtau.

Irenestraße um 1910

Elisabeth Eilers, die ihrem Mann im Jahr 1907 folgte, reiste mit zwei kleinen Mädchen nach China und blieb drei Jahre dort.

Frieda Ammen reiste ihrem Verlobten nach und beide heirateten in Shanghai, bevor sie weiter nach Tsingtau reisten. Familie Müller kehrte früher nach Deutschland zurück als geplant, denn die beiden Kinder konnten das raue Klima nicht vertragen.

Marie Ruhstrat lebte über zwanzig Jahre in verschiedenen Städten Chinas, sie hatte sechs Kinder, ihr ältester Sohn starb in Shanghai an Cholera. Marie war nur kurze Zeit zu Besuch in Tsingtau während der Konfirmation ihres zweiten Sohnes im April 1910, der dort die Schule besuchte und im Internat lebte.

Gouvernements-Kapelle

Die Statistik im „Amtsblatt für das Deutsche Kiautschou-Gebiet” aus dem Jahr 1910 gibt an, dass neben 2.275 deutschen Soldaten 1.531 zivile Deutsche lebten, davon kamen 17 aus dem Großherzogtum Oldenburg, 1913 stieg die Zahl der Oldenburger auf 42.

Aus dem damaligen Fischerdorf ist die moderne Stadt Qingdao mit mehr als 9 Millionen Einwohnern geworden. Auch nach 120 Jahren sind viele deutsche Gebäude erhalten wie Schulen und Krankenhäuser, die teilweise noch in der gleichen Funktion genutzt werden. Die ehemalige deutsche Germania-Brauerei hat heute als Tsingtao-Brewery den Weltmarkt erobert.

Studenten der Qingdao Universität haben im Sommer 2019 Fotos von alten deutschen Gebäuden aufgenommen und diese Abbildungen geben einen Einblick, wie das deutsche Erbe von den Chinesen geschätzt wird.

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Bernhards Briefe

Schuljahre im deutschen Tsingtau

Es ist die ungewöhnliche Biographie von Bernhard Ruhstrat aus dem Großherzogtum Oldenburg in einem außergewöhnlichen Abschnitt deutscher Geschichte.

Die Familie Ruhstrat ist im 19. und 20. Jahrhundert eine angesehene Juristenfamilie in Oldenburg, doch der älteste Sohn Ernst bewirbt sich beim Kaiserlichen Chinesischen Seezoll, der vom Engländer Sir Robert Hart geleitet wird. Im Herbst 1881 fährt er nach Shanghai und wird danach in unterschiedliche Regionen versetzt.

Das Zollamt in Shanghai

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Nachhall der Geschichte

Das Astor House in Shanghai

浦江饭店

Direkt an der berühmten Garden Bridge, nur wenige Meter vom Bund, liegt das ehrwürdige Astor House mit einer langen Geschichte.

Die alten ausgetretenen Granitstufen führen durch die schweren Eichentüren in die Hotel-Lobby des Astorhauses. Schon hier atme ich den Duft der Vergangenheit des Hauses ein.Der Schotte Peter Felix Richards hatte 1846 die Idee, als viele europäische Kaufleute nach Shanghai kamen, ein Hotel in der Nähe des Bunds (heute östliche Jingling Straße) zu eröffnen. Dieses Haus war der Vorläufer des Astor Hauses.

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Guling – ein cooler Ort in den Bergen

牯岭镇

Das Lushan-Gebirge 庐山 südlich des Yangzi-Flusses 长江 nahe der Stadt Jiujiang 九江 ist ein Ort mit langer Historie. Es liegt ca. 200 km südöstlich von Wuhan 武汉 in der Provinz Jiangxi 江西. Wegen der Schönheit der Berge besuchten seit der Östlichen Jin-Dynastie 东晋 berühmte Literaten, Mönche und Maler diesen Ort und hinterließen hier ihre Spuren. Es gibt über 4000 überlieferte Gedichte über den Lushan. Ein besonderer Ort ist Guling, 1167 Meter hoch, von den Ausländer auch Kuling genannt.

 

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Die vergessenen Konkubinenfriedhöfe

Die chinesischen Kaiser aller Dynastien führten einen Harem, den sie Seitenhof nannten. Einmal im Jahr wurden Kandidatinnen im Alter zwischen 13 und 20 Jahren aus guten Familien im ganzen Land ausgewählt. Sie wurden von Eunuchen nach Schönheit, Gesichtsausdruck und Benehmen ausgesucht. Viele Familien boten ihre Töchter dem kaiserlichen Hof an, dann waren sie sicher, dass sie gut versorgt waren. Zuerst kamen sie als Hofdamen in den kaiserlichen Haushalt. Kamen sie beim Kaiser gut an, so wurde ihnen ein Rang verliehen.

Die Titel waren:

Guifei 贵妃 kaiserliche Nebenfrau vom höchsten Rang

Gongfei 恭妃 ehrerbietige Konkubine

Xianfei 贤妃 tugendhafte Konkubine

Shufei 漱妃 nette Konkubine

Jingfei 敬妃 hochgeschätzte Konkubine

Shunfei 顺妃 gehorsame Konkubine

Lifei 丽妃 schöne Konkubine

Chongfei 充妃 reiche Konkubine

Chengfei 成妃 vollendete Konkubine

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Zwei Brunnen für 32 Konkubinen

Der Kaiser 永乐 Yongle wurde 1424 im 长陵 Changling begraben. Es war Sitte, dass seine Konkubinen ihm in den Tod folgten. Jeweils 16 Frauen mit dem dritten Rang der 贤妃 Xianfei sollen im 东井 östlichen und 西井westlichen Brunnen begraben sein. „Brunnen“ hießen diese Gräber, weil der Tunnel zum Grab senkrecht nach unten ging.

Opferhalle des Changling

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Das geheime Grab in den Westbergen

Auf der Suche nach den Minggräbern besuchten wir oft das Tal der dreizehn Gräber im Norden von Beijing. Dort hatte uns eine Bäuerin erzählt, dass es noch ein weiteres Grab in den Bergen geben sollte. Dieses Kaisergrab sollte westlich von Beijing liegen, in der Nähe des Sommerpalastes zwischen dem Goldberg und dem Jadequellenberg.

Zwei Berge und ein Orakelbrunnen

Einige Male fuhren wir vergebens in den Westen Beijings. Wir befragten die Bewohner im Dorf 娘娘府 Niang niang fu und alle waren sehr bemüht, uns zu helfen. In den Jahren zuvor wurden viele neue Straßen in Beijing gebaut. Es schien mir, als hätten die Bewohner dieser Gegend das Grab von Kaiser Jingtai vergessen, denn vom Kaiser Jingtai hatten sie noch nichts gehört und sie waren sicher, dass es kein Kaisergrab in der Nähe gäbe.

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Das Zentrum der Welt

Ein Mann reitet der untergehenden Sonne entgegen. Es ist der achte Monat im Jahr 1260 und die spätnachmittägliche Sonne brennt immer noch auf der Haut. Der Reiter ist müde, er ist seit mehreren Wochen unterwegs, seine Heimatstadt Xingtai liegt tausende von Meilen entfernt. Seine letzte Herberge war unbequem, und so ist er schon in aller Frühe aufgebrochen, um endlich die alte Hauptstadt Yanjing in Chinas Norden zu erreichen. Dort hat er eine Verabredung.

Beijing – Pagode aus der Yuan-Dynastie

Nichts erinnert hier mehr an eine Metropole, denn diese Stadt war immer Angriffspunkt der Mongolen gewesen. Allein der Mongole Dschingis Khan hatte die ehemalige Kaiserstadt Zhongdu fünf mal angegriffen, im Jahr 1215 hatte er alle Gebäude niederbrennen lassen und die dort lebenden Dschurdschen in die Steppe des Nordostens zurückgetrieben. Auch den Namen der Stadt hatte der Khan damals ausgelöscht, er gab ihr den alten Namen Yanjing wieder, denn gar nichts sollte an den Regierungssitz der alten Dynastie erinnern.

Das Laub der Pappeln ist längst verdorrt. Rauchiger Nebel erhebt sich in den tief liegenden Sonnenstrahlen. Die Grundstücke sind mit vielen Sträuchern bewachsen. Vergilbtes Gras überwuchert die Fundamente ehemaliger Prachtbauten. Vom alten Kaiserpalast existieren nur noch die Fundamente aus Marmor. Geschwärzte Steine schimmern hier und da durch die stetig wachsende Vegetation. Scharenweise laufen Ratten und Mäuse über die trostlosen Felder und suchen nach Nahrung. Eine Ratte läuft geradewegs vor die Hufe des Pferdes, das scheut und davon jagt. Der Reiter rutscht zur Seite und kann sich nur noch mit Mühe im Sattel halten. Er beruhigt sein Pferd, steigt ab und geht langsam weiter.

Quelle: Museum Guo Shoujing, Beijing

Der Hof und alle Beamten sind geflohen, jetzt leben hier nur noch Bauern und wenige Handwerker. Es ist eine Stadt ohne Gesicht. Die Straßenzüge sind noch deutlich zu erkennen, doch an vielen Stellen fehlen die Pflastersteine. Die Stadtbewohner haben sie in ihren kleinen Hütten verbaut, einige Häuser haben sogar ein Dach aus Lehmziegeln. Andere Buden sind notdürftig aus Brettern zusammen genagelt worden. Die Menschen, die vor ihren Behausungen sitzen, begrüßen den Fremden freundlich. Trotz der Zerstörung liegt eine Zufriedenheit in den Gesichtern der Menschen.

Stadtplan von Dadu

„Hei, hei, hei!“ Im schnellen Galopp kommt ein Reiter von Norden. Er ist vornehm gekleidet, sein grauer Wollmantel fliegt über das Hinterteil des Pferdes. Der Körper des Mannes ist nach vorn gebeugt, und seine Hand wirbelt mit der Peitsche durch die Luft. Als er die Ruinenstadt erreicht, wird er langsamer, das Pferd mit den kurzen Beinen macht nur noch Trippelschritte. Die Chinesen flüchten ins Innere ihrer Häuser, als sie diesen Reiter sehen. Es ist der Mongole Kublai, der Enkel des großen Dschingis Khan.

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