Rote Dächer am Gelben Meer

Oldenburger in Tsingtau während der Kolonialzeit

Als das deutsche Reich 1898 das Schutzgebiet Kiautschou pachtete, wurde im Reichskriegshafen Wilhelmshaven nach Handwerkern gesucht, die Tsingtau und die umliegenden Dörfer mit aufbauen sollten. Die allgemeine Wirtschaftslage in Norddeutschland sah zu jener Zeit nicht vielversprechend aus. Da sahen junge Männer die Chance auf Arbeit in Übersee.

Mit Beginn der Landübernahme begann auch sofort eine rege Bautätigkeit. Oldenburger, wie zum Beispiel Heinrich Eilers oder Ernst Troschel, gingen schon früh nach Tsingtau und waren maßgeblich an dem Bau der Stadt und des Hafens beteiligt. Heinrich Eilers holte seine Familie später nach, doch Elise Troschel begleitete ihren Mann von Anfang an.

Besonders die Frauen hatten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Heimat wurden sie bewundert und beneidet, denn die Familien hatten in der Ferne ein doppeltes Einkommen und konnten sich alles leisten, sie brauchten selbst nicht im Haushalt zu arbeiten, dafür hatten sie Boy, Koch und Kuli.

Doch die Wirklichkeit sah meist anders aus. Wenn Frauen alleine über Land fuhren, hatten sie ständig Angst vor Überfällen. Der Boy oder der Koch gingen einkaufen und zahlten fast immer zu viel. Einige Bedienstete wirtschafteten dabei in die eigene Tasche. Ständig gab es gesundheitliche Probleme. Die europäischen Kinder waren den eisigen Sandsturm nicht gewohnt und hatten oft Probleme mit den Bronchien. Zudem grassierten ansteckende Krankheiten und Seuchen wie Cholera und Typhus.

Eine bewegende Lebensgeschichte hatte Minna Stielow. Sie lebte mehr als vierzig Jahre in China. Im Jahr 1906 folgte sie ihrem Verlobten, im Oktober heirateten sie in Tsingtau, dort bekamen sie zwei Kinder. Als Otto in Gefangenschaft geriet, zog sie ihre Kinder alleine auf. 1920 kam die vierköpfige Familie zurück nach Wilhelmshaven, doch schon zwei Jahre später ging sie zurück nach Tsingtau. Otto Stielow fand eine Arbeit bei einer Import-Exportfirma, im Jahr 1937 starb er in Tsingtau. Minna Stielow hatte wahrscheinlich nicht das Geld für eine Heimreise, sie nahm unterschiedliche Arbeiten an. Erst 1950 kam sie über Umwege nach Wilhelmshaven zurück.

Elise Troschel reiste mit vier Kindern im Alter von neun Monaten bis sechs Jahren gemeinsam mit Ehemann und Kindermädchen nach Tsingtau. Sie führte als Ärztin und Geburtshelferin eine Praxis im Hafenbauamt von Tsingtau.

Irenestraße um 1910

Elisabeth Eilers, die ihrem Mann im Jahr 1907 folgte, reiste mit zwei kleinen Mädchen nach China und blieb drei Jahre dort.

Frieda Ammen reiste ihrem Verlobten nach und beide heirateten in Shanghai, bevor sie weiter nach Tsingtau reisten. Familie Müller kehrte früher nach Deutschland zurück als geplant, denn die beiden Kinder konnten das raue Klima nicht vertragen.

Marie Ruhstrat lebte über zwanzig Jahre in verschiedenen Städten Chinas, sie hatte sechs Kinder, ihr ältester Sohn starb in Shanghai an Cholera. Marie war nur kurze Zeit zu Besuch in Tsingtau während der Konfirmation ihres zweiten Sohnes im April 1910, der dort die Schule besuchte und im Internat lebte.

Gouvernements-Kapelle

Die Statistik im „Amtsblatt für das Deutsche Kiautschou-Gebiet” aus dem Jahr 1910 gibt an, dass neben 2.275 deutschen Soldaten 1.531 zivile Deutsche lebten, davon kamen 17 aus dem Großherzogtum Oldenburg, 1913 stieg die Zahl der Oldenburger auf 42.

Aus dem damaligen Fischerdorf ist die moderne Stadt Qingdao mit mehr als 9 Millionen Einwohnern geworden. Auch nach 120 Jahren sind viele deutsche Gebäude erhalten wie Schulen und Krankenhäuser, die teilweise noch in der gleichen Funktion genutzt werden. Die ehemalige deutsche Germania-Brauerei hat heute als Tsingtao-Brewery den Weltmarkt erobert.

Studenten der Qingdao Universität haben im Sommer 2019 Fotos von alten deutschen Gebäuden aufgenommen und diese Abbildungen geben einen Einblick, wie das deutsche Erbe von den Chinesen geschätzt wird.

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Bernhards Briefe

Schuljahre im deutschen Tsingtau

Es ist die ungewöhnliche Biographie von Bernhard Ruhstrat aus dem Großherzogtum Oldenburg in einem außergewöhnlichen Abschnitt deutscher Geschichte.

Die Familie Ruhstrat ist im 19. und 20. Jahrhundert eine angesehene Juristenfamilie in Oldenburg, doch der älteste Sohn Ernst bewirbt sich beim Kaiserlichen Chinesischen Seezoll, der vom Engländer Sir Robert Hart geleitet wird. Im Herbst 1881 fährt er nach Shanghai und wird danach in unterschiedliche Regionen versetzt.

Das Zollamt in Shanghai

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Ein Stück Deutschland in China

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestand in Deutschland der Wunsch nach einer Kolonie auf chinesischem Boden, aber erst im Jahr 1897 ereignete sich ein Vorfall, bei dem zwei deutsche Missionare getötet wurden. Dieser Vorfall lieferte den Vorwand für die Besetzung der Jiaozhou-Bucht und des Ortes Qingdao.

Karte der Jiaozhou-Bucht um 1900
Karte der Jiaozhou-Bucht um 1900

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Bernhard Ruhstrat

Bernhards Vater Ernst Ruhstrat arbeitete seit 1881 beim Kaiserlichen Chinesischen Zollamt in verschiedenen Städten. Im Turnus von einigen Jahren besuchte Ernst Ruhstrat seine Eltern in Oldenburg, 1890 heiratete er dort und gemeinsam gingen Ernst und Marie Ruhstrat nach Chingkiang (heute Zhenjiang) in der Provinz Jiangsu. Dort wurden die Söhne Konrad am 9. Dezember 1893 und Bernhard am 3. August 1895 geboren. Ernst Ruhstrat unternahm viele Reisen innerhalb Chinas. Im Frühjahr 1897 reiste die Familie nach Oldenburg und blieb zwei Jahre in der Heimatstadt, dann kehrten alle zusammen nach China zurück, dieses mal nach Amoy (heute: Xiamen). Im Herbst 1901 wurde der Vater nach Shanghai versetzt, hier ging  Bernhard mit seinem älteren Bruder Konrad zur Kaiser-Wilhem-Schule. Am Ostersonntag 1902 starb Konrad in Shanghai.

Kaiser Wilhelm Schule Shanghai ca 1910 Quelle: privat

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Minna Stielow

Minna Louise Günther wurde am 22. Februar 1886 in Prerow in Mecklenburg geboren. Es ist nicht bekannt, wann sie nach Heppens im Großherzogtum Oldenburg umzog, ihre Schwester Johanne war zu jener Zeit schon in Heppens gemeldet. 1906 fuhr sie mit einem Dampfer von Wilhelmshaven nach Tsingtau. Dort heiratete sie am 18. Oktober 1906 den Maschinisten Otto Ludwig Wilhem Stielow aus Rostock, der in Ostasien als erster Maschinist auf dem Geschwaderbegleitschiff Titania tätig war.

Panorama von Tsingtau

Minna und Otto bezogen eine Wohnung in der Irenestraße,  wo am 18. September 1907  ihr Sohn Otto geboren wurde. Kurz darauf bezogen sie eine größere Wohnung am Hohenloheweg. Am 2. Juni 1909 wurde der zweite Sohn Werner geboren.
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Heinrich Eilers

Heinrich Eilers wurde am 30. Juni 1872 in Großostin bei Jever geboren. Später zogen die Eltern in die Nähe von Wilhelmshaven. Weil es wenig Arbeit gab, wanderten in dieser Zeit viele junge Männer aus. In den 1890er Jahren ging Heinrichs Bruder nach Amerika. Heinrich folgte ihm kurze Zeit später, kam aber schon nach einigen Jahren zurück, weil er sich in der neuen Welt nicht wohl fühlte. Aber die Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sahen nicht rosig aus.

1897 erfuhr er in Wilhelmshaven, dass Arbeitskräfte für den Ausbau der neuen Kolonie Qingdao gesucht wurden. Heinrich Eilers sah die Gelegenheit, in einem Beruf zu arbeiten, der ihm Spaß machte.
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Bernhard Döpke

Bernhard Döpke wurde am 2.10.1889 in Osternburg geboren. Seine Eltern besaßen ein Haus in der Schulstraße, doch Bernhard wuchs bei den Großeltern im Kloster Blankenburg auf. Der Großvater war als Aufseher der Heil- und Pflegeanstalt im Kloster beschäftigt und hatte eine Dienstwohnung. Jeden Tag ging Bernhard von der Klosteranlage zu Fuß nach Osternburg zur Schule, obwohl die Eltern gegenüber der Schule wohnten. Die zwei jüngeren Geschwister, Fritz und Emma, wohnten bei den Eltern. Nach dem Abschluss der Schule wurde Bernhard von der Familie der Besuch eines Lehrerseminars in Hankhausen bei Rastede nahegelegt. Der Onkel war dort Rektor und verschaffte ihm einen Ausbildungsplatz. Aber Bernhard Döpke gefiel es nicht unter der Aufsicht des Onkels, und er entschied sich, eine Lehre als Einzelhandelskaufmann zu beginnen. Zufrieden war er dort in dem Kolonialwarengeschäft in Hankhausen auch nicht.

So meldete er sich im Alter von 19 Jahren bei der Kaiserlichen Marine. Seine aktive Dienstzeit begann am 1. Februar 1909 in Bremerhaven, wo er als Minensucher ausgebildet wurde. Bernhard Döpke weiterlesen

双子城 Zwillinge

在2014年春天,搬来新宿舍的第二天就在厨房了看到了公用冰箱的牌子—LiebHerr。 我又念了好几遍LiebHerr ,只是觉得这个名字怎么这么熟悉。后来恍然大悟,这不就是小时候家里用的青岛产的利勃海尔电冰箱的牌子吗。只是后来就改了名字 从利勃海尔变成了海尔,但是还是音译,一下子就找到了童年翻冰箱找雪糕的快乐日子。作为一个青岛人,这倒是最熟悉的名字。这个Liebherr冰箱这也是在异国他乡对我最好的一个见面问候。
查了一下wiki,后来详细的了解这个公司和青岛公司的合作过程。

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Tsingtao Beer (青岛啤酒): A Story of a Century

Qingdao (), the coastal port city of in the eastern Chinese province of Shandong (山东省), is sometimes referred to as ‘China’s Munich’. This nickname is not just down to the German-looking Prince Hotel on the city’s pier, the Bavarian-style castle where Chairman Mao (毛泽东 Máo Zédōnɡ) stayed in 1957 or the railway station in its German Renaissance architectural style. It is very much informed by a beverage introduced by German and British tradesmen at the start of the twentieth century: beer. For Qingdao is today both home to the Tsingtao brewery (青岛啤酒 Qīnɡdǎo Píjiǔ) and a 16-day festival that is the closest thing that China gets to Munich’s Oktoberfest.

Tsingtao beer bottle
Tsingtao beer bottle

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