Das Geldwesen im alten China

Am Anfang war der Tausch

Mit Beginn der Weiterentwicklung des Urmenschen  begann auch ein gewisser Warenverkehr. Wurde in der Vergangenheit nur für sich und die eigene Familie gesorgt, durch Jagd und Sammeln von Beeren, Obst und Getreide ergab es sich, daß durch das sesshaft werden und gezieltem Anbau mehr Ertrag geerntet werden konnte, als für die Familie gebraucht wurde. Man wurde in die Lage versetzt, den Überschuss abzugeben und dafür andere Waren zu bekommen, die nicht von der Familie hergestellt werden konnten. So begann der Tauschhandel. Mit den Jahrzehnten vergrößerte sich der Bewegungsraum und die Warenmenge wurde immer vielfältiger. Gleichzeitig wurde auch der Wert der Waren und eine bessere Version des Tauschhandels gesucht und auch gefunden. 

Am Beispiel von China ist es ziemlich eindeutig zu verfolgen, da dort die Veränderung sehr gut dokumentiert ist und Funde aus der Vergangenheit dies auch beweisen.

Als Naturalgeld kam die Kaurimuschel in Gebrauch.  Ihre Zeit befand sich ab dem 6. Jahrtausend vor unser Zeitrechnung.

 Ab der Shang-Dynastie (18.-11. Jahrhundert v.C.) kamen die Bronzemünzen auf. Es gab sie in Form von Messern, Spaten, Spießen oder Entenschnäbeln. Die Kaurimuscheln als Tauschmittel gingen immer mehr zurück.

Mit der Regierungszeit von Kaiser Qin Shi Huang (221-206 v.C.) wurden einheitliche Maße und Gewichte eingeführt sowie eine gemeinsame Kupferwährung. Die Münzen waren rund mit einem quadratischen Loch in der Mitte. Doch mit der Zeit wurden sie kleiner und dünner und repräsentierten nicht mehr den ursprünglichen Materialwert. Die Einzelmünzen waren für eine größere Summe auf Schnüren aufgezogen. Der erste Versuch Papiergeld zu benutzen hatte noch keinen großen Erfolg.

Ab der Han-Dynastie (206 .C.-9 n.C.) wurde nicht mehr das Edelmetallgewicht angegeben sondern ein Nennwert, sowie die Epoche und der Name des jeweiligen Kaisers. Für große Summen wurden bereits Silberbarren verwendet.

Mit der Song-Dynastie (960-1279) wurde die Vereinheitlichung weiter geführt. Wobei im Norden weiterhin Kupfer gebräuchlich war, jedoch im Süden Eisen und Blei. Mit der wirtschaftlichen Steigerung wuchs auch das Münzumlaufvolumen. In der nördlichen Song-Dynastie wurden 200 Milliarden Kupfermünzen geprägt, allein 6 Milliarden im Jahr 1073. Chinesische Zahlungsmittel fanden ihren Weg ins Ausland, speziell Südostasien. Jetzt erlebte das Papiergeld eine Neugeburt.

Von 1279-1368 regierten die Mongolen in China. Sie behielten das Papiergeld bei und verboten den Besitz von Edelmetallen. Gold und Silber musste an die Regierung übergeben werden. Der übermäßige Druck von Papiergeld führte zu einer Inflation, die nur durch eine Währungsreform überstanden wurde.

Mit der Qing-Dynastie (1368-1644) kam die traditionelle Kupferwährung und Silber wieder zurück. 1792 wurde die erste Silbermünze gegossen. Erst 1884 kam die Prägetechnik nach China.

Ab 1898 gab die Chinesische Handelsbank wieder Banknoten heraus. Es liefen Banknoten von 100 Käsch bis 50 Tael um, die den aufwendigen Transport größerer Käschmengen minimieren sollten.

 

Währung im Schutzgebiet Kiautschou

Nachdem das Kaiserreich Deutschland das Gebiet um Tsingtau in der Provinz Shandong im Kaiserreich China annektiert hatte und 1898 nach zähen Verhandlungen ein Nutzungsvertrag über 99 Jahre abgeschlossen war, wurde mit der Errichtung einer deutschen Stadt begonnen. Tsingtau sollte ein Paradebeispiel deutscher Baukultur im asiatischen Raum werden und der Hauptzugang zum großen chinesischen Markt , wie auch Ausgangspunkt für inländische Waren als Exportgut werden.

Warenverkehr bedeutete aber auch ein zuverlässiges Zahlungsmittel, das staatlich kontrolliert werden konnte und stabilen Wert verkörperte. Das war im damaligen China nicht unbedingt gegeben. Die Grundlage des chinesischen Geldwesens war das Silber und nicht wie in fast allen westlichen Staaten das Gold. Offiziell wurde in Tael und Käsch gerechnet. Ein Tael war unterteilt in zehn Mace  und hundert Candareen . Die Käschmünzen wurden aber meist aus Messing, Bronze, Kupfer oder sogar aus Eisen gegossen. Sie besaßen in der Mitte meist ein viereckiges Loch, wodurch ein Strohband gezogen wurde,  Es bestand ein Dezimalsystem, dessen kleinster Wert von den Europäern »Käsch« (chinesisch Li) und der größte Wert »Tael« (Liang) genannt wurde. Zehn Käsch (Li) waren ein Candareen (Fen), zehn Candareen eine Mace (Chien) und zehn Mace ein Tael (Liang). Die einzige chinesische Münze blieb bis 1889 der gegossene Bronzekäsch, für dessen Legierung strenge, aber selten eingehaltene Vorschriften bestanden. Die Käschmünzen wurden zu 100, 500 oder 1000 auf Schnüre gezogen. Schnüre von 1000 Käsch nannte man »Tiao«. Der Tael repräsentierte eine Normsilbermenge, die jedoch regional stark schwankte. Für größere Zahlungen bedienten sich die Chinesen schuhförmiger gegossener Silberbarren im Gewicht von 1/2 bis 50 Tael, sogenannter Sycee (si soi), deren Feinheit der Gießer mit seinem Stempel garantierte.   Deshalb führte jeder Kaufmann auf seinen Reisen eine Silberwaage mit sich, um die entsprechende Menge Silber zu wiegen. Auch wurden die aufkommenden Silbermünzen so überprüft um Fälschungen, die gerne in den Geldmarkt eingebracht wurden, zu entdecken.

Diese Silbermünzen, die durch die immer stärker werdende Präsenz ausländischer Händler, stärker in Gebrauch kamen, wurden sehr oft durch ausländische Münzen ersetzt. Bei denen konnte man sicher sein, das der Silbergehalt eingehalten wurde. Natürlich waren diese Münzen auch vor den  Geldfälschern nicht sicher.

Da jede Provinz ihre eigene Münzpräge aufbaute, entstand eine weitere Verwirrung durch die unterschiedlichen Gewichte,

Normal waren 37,78 g 980/1000 feines Silber ein Tael. Der Shanghai-Tael wog 34,246 g Silber,im Außenhandel wurden 33,387 g berechnet.

Offiziell galt der Haikuan-Tael (Seezoll-Tael), auch Regierungstael genannt, mit 38,246 g.

Die Gewichtsangabe war insofern wichtig, als die Fälschungen meist durch niedrigere Silberlegierungen zustande kommen oder durch Beimischungen von Zinn und anderen Metallen das Originalgewicht nicht mehr halten konnte.

Bei den bevorzugten ausländischen Münzen waren der österreichische Maria-Theresien-Taler, der amerikanische Liberty-Dollar, der spanische Karolus-Dollar und der mexikanische Peso. Der letztere hatte ein Gewicht von 27,073 g Feinsilber, entsprechend 0,72 Haikuan-Tael. Die chinesischen Silbermünzen hatten dem entsprechend eine Inschrift 7 Mace 2 Candareen.

Immer wieder wurden die Silbermünzen im Handelsverkehr geprüft und von den chinesischen Händlern bzw. Banken mit Präge- oder Tuschestempeln, sogenannten Chopmarks, versehen, bis hin zur Unkenntlichkeit des Gepräges.

Zwischen Käsch, Tael und Dollar bestanden keine festen Wechselkurse. Von den täglichen Wertschwankungen profitierten zahlreiche chinesische Wechselbanken. Je nach Region galten Kurse von 1000 bis 2000 Käsch pro Tael und 850 bis 1500 Käsch pro Dollar.

Bis zum Jahre 1908 gab es in Tsingtau keine eigenen deutschen Münzen. In diesem Jahre wurden die Weichen für die Münzprägung gestellt. Zuerst sollten Kleinwerte geprägt werden. So prägte die staatliche Münze Berlin, als erstes 5-Cent und 10-Cent Münzen, deren erste Tranche im November 1909 in Tsingtau ankam.

Am 8. Juli 1906 erteilte der deutsche Reichskanzler Bismarck, eine auf 15 Jahre befristete Banknotenkonzession. Die vom 1. März 1907 datierten und in Leipzig gedruckten Banknoten wurden ab 17. Juni in der Stückelung von 1, 5, 10, 25 und 50 Dollar sowie 1, 5, 10 und 20 Tael ausgegeben. Von den fünf Ausgabestellen in China war Tsingtau die wichtigste. Hier kamen ausschließlich Dollar, überwiegend 1-Dollar-Scheine, in Umlauf. Im Juni 1914 liefen mehr als  2,3 Mill. Dollar in Banknoten der Tsingtau-Ausgabe um, das waren 67 Prozent aller von der Deutsch-Asiatischen Bank in China ausgegebenen Dollar.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf dem Weg zur Integration

Die Integration in die deutsche Gesellschaft ist eine Herausforderung für fast jeden in Deutschland lebenden Chinesen. Sprache, Essen, Kultur, ethischen Codes und soziale Institutionen müssen alle verstanden und angepasst werden. In diesem Prozess wird die konfuzianische Kultur des Strebens nach Harmonie, aber nicht nach Einheitlichkeit, die Suche nach Gemeinsamkeiten bei gleichzeitiger Zurückhaltung von Unterschieden, die Unterbringung aller Dinge und des Zuhörens aller Seiten vollständig zum Ausdruck gebracht und verkörpert. Wenn Staat und Gesellschaft jedoch mehr Kommunikations-Plattformen oder -Möglichkeiten in diesem Bereich bereitstellen, werden die Anforderungen an den persönlichen Gedanken und Denkweise relativ einfacher zu erreichen sein, und dieser Integrations- und Gießprozess wird einfacher und weniger stressig sein. Genau das ist mir passiert.

Ich bin Yuanyuan Xiao aus Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan. Ich lebe in Oldenburg, Niedersachsen, und lebe seit fast sechs Jahren in Deutschland. Nach meinem zweiten Masterstudium in Bremen blieb ich in Deutschland und arbeite seit 2015 in der Unternehmensentwicklung von BTC Business Technology Consulting (BTC), eines großen IT-Unternehmen in Oldenburg. Von der Kommunikationsschwierigkeit am Anfang des Studiums in Deutschland bis heute habe ich meine sozialen Netzwerke in Oldenburg Schritt für Schritt aufgebaut, die Realisierung dieser Errungenschaft liegt nicht nur an meinen eigenen guten Fähigkeiten und Mentalität, sondern auch daran, dass ich von den verschiedenen kulturellen Austauschaktivitäten und Plattformen in Oldenburg profitiere. Im Hinblick auf interkulturelle Themen nehme ich oft an folgenden Aktivitäten teil:

  • Das monatliche Treffen und andere deutsch-chinesische Kulturaustauschaktivitäten der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft in Oldenburg (GDCF Oldenburg). Der Gesellschaft ist die größte und älteste deutsch-chinesische Kulturaustauschplattform in Oldenburg. Seit seiner Gründung im Jahr 1979 widmet sich die Gesellschaft durch seine enge Verbindung zu den in Oldenburg lebenden chinesischen Studenten der Förderung und Verbreitung der chinesischen Kultur durch verschiedene Formen wie Vorträge, Workshops, Vor-Ort-Besuche usw., die nicht nur hervorragende Beiträge zum kulturellen Austausch zwischen China und Deutschland geleistet haben, sondern auch eine Brücke für den Handel zwischen den beiden Ländern geschlagen haben. Hier habe ich nicht nur die chinesische Kultur den Einheimischen nähergebracht, sondern auch viele gleichgesinnte deutsche Freunde getroffen.

  • Verschiedene deutsch-chinesische Kulturaustauschaktivitäten des Verein der chinesischen Studenten und Wissenschaftler in Oldenburg, z.B. Neujahrsfeier, Sommer BBQ, E-Sport-Spiel, etc. Hier habe ich nicht nur einen aufschlussreichen akademischen Austausch mit chinesischen und deutschen Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen, sondern fühle auch die Fürsorge und Wärme der Heimat und der Landsleute, während ich meine Erfahrungen und Vorschläge an andere Studenten und Studentinnen weitergebe um ihre Integration in Deutschland zu unterstützen.

  • kulturelle Austauschaktivitäten von Unternehmen, der Oldenburger Regierung und anderer Verbände, z.B. der große jährliche Diversity-Tag des BTC, das Kultursommerfestival der Stadt Oldenburg. Hier habe ich die Kultur der verschiedenen Staaten, der Stadt Oldenburg und Umgebung erlebt.

Neben kulturorientierten Aktivitäten nehme ich aktiv an anderen Sport- und Unterhaltungsaktivitäten wie Marathons teil. Seit zwei Jahren nehme ich am Oldenburg-Marathon, Bad Zwischenahn IHK-Ausbildungslauf, famila Lauf Oldenburg und Everstener Brunnenlauf teil und wurde deshalb von der Nordwest Zeitung interviewt und veröffentlicht. Für mich kann Laufen nicht nur den Körper stärken, sondern auch Stress abbauen und das Gehirn erfrischen. Außerdem genieße ich das Gefühl, die Ziele zu erreichen. Darüber hinaus habe ich am wöchentlichen Basketballspiel und Zuschauen der berühmten EWE-Basketballspiele teilgenommen, die durch ReWIS (Refugees Welcome in Sports Oldenburg) organisiert werden. Außerdem besuche ich mit Kollegen und Freunden das Oldenburger Stadtfest, das Internationale Filmfestival Oldenburg und den Oldenburger Kramermarkt, der ein besonderer lokaler Markt mit mehr als 400 Jahren Geschichte ist.

Durch diese bunten kulturellen Austauschaktivitäten und Plattformen habe ich nicht nur meine Sprach- und interkulturellen Kommunikationsfähigkeiten gestärkt, sondern auch die chinesische Kultur verbreitet und den Entwicklungsauftritt Chinas in einer neuen Ära und seinen verantwortungsbewussten Geist als großes Land der internationalen Politik dem lokalen deutschen Bürger vorgestellt. Im Oktober 2019 war es ein wichtiger Moment in der chinesischen Historie, denn es war der 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China. Als eine 30jährige Chinesin, obwohl ich die schweren Zeiten des Hungers und der Kälte nicht erlebt habe, habe ich die glorreiche Entwicklung Chinas in den letzten 30 Jahren miterlebt. Die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft, Chinas verantwortungsbewusster Geist auf der internationalen politischen Bühne und Chinas 5.000 Jahre alte brillante und prächtige Kultur haben mir mehr Begeisterung und Vertrauen in mein Leben und ihre Arbeit in Oldenburg gebracht. In der Zeit des Studiums hatte ich oft gehört, wie die Lehrer über China sprachen. Während meiner Arbeitszeit habe ich öfter bei verschiedenen Meetings, Konferenzen und Veranstaltungen von China gehört, wie z.B. Chinas 5G, Chinas Industrie 4.0, Chinas künstliche Intelligenz und Chinas erneuerbare Energien.

Wie wir alle wissen, war der Integrationsprozess noch nie einfach. Viele Menschen konnten nicht darauf bestehen, und viele Menschen integrieren sich, sondern nur zur reinen Integration. Es gibt noch viel weniger Menschen, die diesen Prozess wirklich genießen und dadurch Wachstum und Glück gewinnen. Dies erfordert nicht nur starke Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch die Fähigkeit zur flexiblen Selbstanpassung, Allokation und Integration. Besonders wenn man zur Entwicklung und zum Aufbau der lokalen Wirtschaft, Kultur und Bildung beitragt, fühlt man sich sicherer und gewinnt ein stärkeres Gefühl der Akzeptanz und Anerkennung.

Für mich heißt es: Ich genieße den Weg der Integration!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Rote Dächer am Gelben Meer

Oldenburger in Tsingtau während der Kolonialzeit

Als das deutsche Reich 1898 das Schutzgebiet Kiautschou pachtete, wurde im Reichskriegshafen Wilhelmshaven nach Handwerkern gesucht, die Tsingtau und die umliegenden Dörfer mit aufbauen sollten. Die allgemeine Wirtschaftslage in Norddeutschland sah zu jener Zeit nicht vielversprechend aus. Da sahen junge Männer die Chance auf Arbeit in Übersee.

Mit Beginn der Landübernahme begann auch sofort eine rege Bautätigkeit. Oldenburger, wie zum Beispiel Heinrich Eilers oder Ernst Troschel, gingen schon früh nach Tsingtau und waren maßgeblich an dem Bau der Stadt und des Hafens beteiligt. Heinrich Eilers holte seine Familie später nach, doch Elise Troschel begleitete ihren Mann von Anfang an.

Besonders die Frauen hatten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Heimat wurden sie bewundert und beneidet, denn die Familien hatten in der Ferne ein doppeltes Einkommen und konnten sich alles leisten, sie brauchten selbst nicht im Haushalt zu arbeiten, dafür hatten sie Boy, Koch und Kuli.

Doch die Wirklichkeit sah meist anders aus. Wenn Frauen alleine über Land fuhren, hatten sie ständig Angst vor Überfällen. Der Boy oder der Koch gingen einkaufen und zahlten fast immer zu viel. Einige Bedienstete wirtschafteten dabei in die eigene Tasche. Ständig gab es gesundheitliche Probleme. Die europäischen Kinder waren den eisigen Sandsturm nicht gewohnt und hatten oft Probleme mit den Bronchien. Zudem grassierten ansteckende Krankheiten und Seuchen wie Cholera und Typhus.

Eine bewegende Lebensgeschichte hatte Minna Stielow. Sie lebte mehr als vierzig Jahre in China. Im Jahr 1906 folgte sie ihrem Verlobten, im Oktober heirateten sie in Tsingtau, dort bekamen sie zwei Kinder. Als Otto in Gefangenschaft geriet, zog sie ihre Kinder alleine auf. 1920 kam die vierköpfige Familie zurück nach Wilhelmshaven, doch schon zwei Jahre später ging sie zurück nach Tsingtau. Otto Stielow fand eine Arbeit bei einer Import-Exportfirma, im Jahr 1937 starb er in Tsingtau. Obwohl 1949 alle Ausländer aufgeforderte wurden, China zu verlassen, zögerte Minna Stielow ihre Heimreise hinaus. Erst 1950 kam sie über Umwege nach Wilhelmshaven zurück.

Elise Troschel reiste mit vier Kindern im Alter von neun Monaten bis sechs Jahren gemeinsam mit Ehemann und Kindermädchen nach Tsingtau. Sie führte als Ärztin und Geburtshelferin eine Praxis im Hafenbauamt von Tsingtau.

Irenestraße um 1910

Elisabeth Eilers, die ihrem Mann im Jahr 1907 folgte, reiste mit zwei kleinen Mädchen nach China und blieb drei Jahre dort.

Frieda Ammen reiste ihrem Verlobten nach und beide heirateten in Shanghai, bevor sie weiter nach Tsingtau reisten. Familie Müller kehrte früher nach Deutschland zurück als geplant, denn die beiden Kinder konnten das raue Klima nicht vertragen.

Marie Ruhstrat lebte über zwanzig Jahre in verschiedenen Städten Chinas, sie hatte sechs Kinder, ihr ältester Sohn starb in Shanghai an Cholera. Marie war nur kurze Zeit zu Besuch in Tsingtau während der Konfirmation ihres zweiten Sohnes im April 1910, der dort die Schule besuchte und im Internat lebte.

Gouvernements-Kapelle

Die Statistik im „Amtsblatt für das Deutsche Kiautschou-Gebiet” aus dem Jahr 1910 gibt an, dass neben 2.275 deutschen Soldaten 1.531 zivile Deutsche lebten, davon kamen 17 aus dem Großherzogtum Oldenburg, 1913 stieg die Zahl der Oldenburger auf 42.

Aus dem damaligen Fischerdorf ist die moderne Stadt Qingdao mit mehr als 9 Millionen Einwohnern geworden. Auch nach 120 Jahren sind viele deutsche Gebäude erhalten wie Schulen und Krankenhäuser, die teilweise noch in der gleichen Funktion genutzt werden. Die ehemalige deutsche Germania-Brauerei hat heute als Tsingtao-Brewery den Weltmarkt erobert.

Studenten der Qingdao Universität haben im Sommer 2019 Fotos von alten deutschen Gebäuden aufgenommen und diese Abbildungen geben einen Einblick, wie das deutsche Erbe von den Chinesen geschätzt wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bernhards Briefe

Schuljahre im deutschen Tsingtau

Es ist die ungewöhnliche Biographie von Bernhard Ruhstrat aus dem Großherzogtum Oldenburg in einem außergewöhnlichen Abschnitt deutscher Geschichte.

Die Familie Ruhstrat ist im 19. und 20. Jahrhundert eine angesehene Juristenfamilie in Oldenburg, doch der älteste Sohn Ernst bewirbt sich beim Kaiserlichen Chinesischen Seezoll, der vom Engländer Sir Robert Hart geleitet wird. Im Herbst 1881 fährt er nach Shanghai und wird danach in unterschiedliche Regionen versetzt.

Das Zollamt in Shanghai

Bernhards Briefe weiterlesen

Spiegelungen

Nachtrag zu: Nachhall der Geschichte

In unserem Beitrag Nachhall der Geschichte schrieben wir über unseren Besuch im Astor House in Shanghai. Als wir damals von Shanghai Abschied nahmen, waren wir der festen Überzeugung, dass wir eines Tages wieder hierher zurückkehren würden. Leider ist dies unmöglich geworden.

Wie wir vor kurzem erfahren haben, hat das Astor House am 31.12.2017 seine Türen geschlossen. Damit hat Shanghai ein Hotel mit langer Tradition verloren, was viele China-Reisenden mit Sinn für Historie sicherlich bedauern werden.

Es gibt Pläne, das Gebäude zu einem Museum umzubauen.

Rückkehr zur Tradition

Als ich in den neunziger Jahren in China lebte, hatten Plastik und Plastikmöbel einen hohen Stellenwert. Plastik wäre das allermodernste und das allerfeinste, so sagten meine chinesischen Freunde. Die US-Lebensart kam gerade nach China, und jeder, der es sich leisten konnte, wollte den Westen kopieren und ein Stück davon in der Wohnung haben. Dazu kam, dass die Holzmöbel, die zu der Zeit produziert wurden, von sehr schlechter Qualität waren, sie wurden aus einfachen Sperrholzplatten zusammen genagelt. Als ich nun meine Wohnung in Beijing einrichten musste, suchte ich nach traditionellen chinesischen Möbeln und besuchte einen Antikmarkt nahe des Ritan-Parks. In zwei Hallen wurden Raritäten und Kuriositäten vom Feinsten angeboten. Ich war begeistert und besuchte nun fast jedes Wochenende diesen Markt und lernte die Geschichte der chinesischen Möbel kennen. Und ich kaufte mir nicht nur einen Schrank, sondern auch Reisbehälter, geschnitzte Fenster und sogar einen Huthalter. Meine Freunde kamen zu Besuch mit Plastikgeschenken und ich führte stolz meine Schätze vor, die sie aber als Müll (垃圾 La ji ) betitelten. Das hielt mich aber nicht davon ab, in den nächsten Jahren weitere Antikmärkte aufzusuchen und die chinesische Lebensart zu studieren. Rückkehr zur Tradition weiterlesen

Nachhall der Geschichte

Das Astor House in Shanghai

浦江饭店

Direkt an der berühmten Garden Bridge, nur wenige Meter vom Bund, liegt das ehrwürdige Astor House mit einer langen Geschichte.

Die alten ausgetretenen Granitstufen führen durch die schweren Eichentüren in die Hotel-Lobby des Astorhauses. Schon hier atme ich den Duft der Vergangenheit des Hauses ein.Der Schotte Peter Felix Richards hatte 1846 die Idee, als viele europäische Kaufleute nach Shanghai kamen, ein Hotel in der Nähe des Bunds (heute östliche Jingling Straße) zu eröffnen. Dieses Haus war der Vorläufer des Astor Hauses.

Nachhall der Geschichte weiterlesen

Guling – ein cooler Ort in den Bergen

牯岭镇

Das Lushan-Gebirge 庐山 südlich des Yangzi-Flusses 长江 nahe der Stadt Jiujiang 九江 ist ein Ort mit langer Historie. Es liegt ca. 200 km südöstlich von Wuhan 武汉 in der Provinz Jiangxi 江西. Wegen der Schönheit der Berge besuchten seit der Östlichen Jin-Dynastie 东晋 berühmte Literaten, Mönche und Maler diesen Ort und hinterließen hier ihre Spuren. Es gibt über 4000 überlieferte Gedichte über den Lushan. Ein besonderer Ort ist Guling, 1167 Meter hoch, von den Ausländer auch Kuling genannt.

 

Guling – ein cooler Ort in den Bergen weiterlesen