Minna Stielow geborene Günther

Minna Louise Günther wurde am 22. Februar 1886 in Prerow in Mecklenburg geboren. Es ist nicht bekannt, wann sie nach Heppens im Großherzogtum Oldenburg umzog, ihre Schwester Johanne war zu jener Zeit schon in Heppens gemeldet. 1906 fuhr sie mit einem Dampfer von Wilhelmshaven nach Qingdao. Dort heiratete sie am 18. Oktober 1906 den Maschinisten Otto Ludwig Wilhem Stielow aus Rostock, der in der Kolonie als erster Maschinist auf dem Geschwaderbegleitschiff Titania tätig war.

Ausstellung von Handarbeiten und Spielwaren 1908

Minna und Otto bezogen eine Wohnung in der Irenestraße,  wo am 18. September 1907  ihr Sohn Otto geboren wurde. Kurz darauf bezogen sie eine größere Wohnung am Hohenloheweg. Am 2. Juni 1909 wurde der zweite Sohn Werner geboren.

Bis 1913 wurde Minna Stielow im Adressbuch von Qingdao unter der gleichen Adresse geführt, dann zog sie in die Albertstraße. Die Adresse von Otto Stielow wurde immer mit „Titania“ angegeben.

Hafen von Qingdao

Im November 1914, als die Japaner Qingdao besetzten, war die Titania  mit dem Ostasiengeschwader gemeinsam mit den Dampfern Scharnhorst und Gneisenau in der Südsee unterwegs. Dort wechselte Otto auf ein anderes Schiff und wurde 1915 in den USA interniert, erst 1919 kam er wieder frei. Minna blieb mit den Söhnen Werner und Otto während jener Zeit in Qingdao.

Qingdao Shandonglu um 1910

Ende Februar 1920 kamen vier Schiffe in Wilhemshaven an, die viele Kriegsgefangene und den Rest der zivilen Bevölkerung von Qingdao zurück in die Heimat brachten. Auf einem dieser Schiffe befand sich auch die vierköpfige Familie Stielow. 1921 wurde die Tochter Marielis in Wilhelmshaven geboren.

Als sich 1923 die Japaner aus Qingdao zurückgezogen hatten, kehrte Otto in die chinesische Hafenstadt zurück. Er fand Arbeit bei einer Import-Export Firma, Minna folgte ihm mit der zweijährigen Marielis nach China, die Söhne machten eine Ausbildung in Wilhelmshaven, 1930 und 1932 kehrten auch sie nach Qingdao zurück.

Minna trug immer zum Lebensunterhalt bei, ab1927 arbeitete sie als Handarbeitslehrerin an einer deutschen Schule, zusätzlich eröffnete sie ab 1934 eine Privatpension, das German House in der Fushan Lu Nr. 10. Otto starb im Jahr 1937 in Qingdao.

Zhongshanlu mit Seemannsheim um 1930

Minna blieb mit Marielis in Qingdao. Als im zweiten Weltkrieg ein amerikanisches Schiff die Ausländer aus Qingdao holte, blieb ihnen nur dreißig Minuten zum Packen. Aus unbekannten Grund schaffte Minna es nicht, mit diesem Dampfer auszureisen. Sie blieb bis 1949 in Qingdao. Dann meldete sie sich bei der Stadtregierung  ab und zog zu ihrem  Sohn, der mittlerweile in Shanghai lebte. Im Jahr 1950 kam Minna Stielow wieder nach Wilhemshaven zurück und starb dort am 19. September 1960 in einem Altersheim.